Ein häufig unterschätztes Risiko
Neubaufeuchte in Dachkonstruktionen
Dachkonstruktionen gehören zu den sensiblen Bauteilen eines Gebäudes. Gerade im Neubau entscheidet die sorgfältige Planung und Ausführung darüber, ob ein Gebäude langfristig frei von Schaden bleibt. Eine zentrale Rolle spielen dabei Dampfsperren und Dampfbremsen. Sie müssen korrekt geplant, präzise eingebaut und anschließend auf mögliche Leckagen überprüft werden.
In der Baupraxis erfolgt diese Überprüfung häufig gar nicht oder sie beschränkt sich auf eine reine Differenzdruckmessung. Mit dieser Methode wird die Luftdichtheit eines Raumes oder eines gesamten Gebäudes als Summenwert erfasst. Ergibt sich dabei eine niedrige Luftwechselrate, wird oftmals pauschal von ausreichender Luftdichtheit ausgegangen. Für die sichere Vermeidung von Feuchte- und Schimmelschäden reicht dieser Summenparameter in der Regel jedoch nicht aus.
Erhebliche Schäden durch kleinste Undichtigkeiten
Schon kleinste Undichtigkeiten in der Luftdichtigkeitsebene können erhebliche Schäden verursachen. Ein typisches Beispiel ist eine für Wasserdampf offene Einschubtreppe in einem ungedämmten Spitzboden. Bereits eine solche einzelne Schwachstelle kann in der kalten Jahreszeit zu massiver Schimmelbildung führen. Vergleichbare Schadensbilder können entstehen, wenn die Abluft eines Badezimmers nicht fachgerecht über das Dach geführt wird oder wenn im ungedämmten Dachraum eine undichte Rohrverbindung vorhanden ist.
Rund um solche Leckstellen kann es durch kondensierenden Wasserdampf zu charakteristischen Schimmelschäden kommen. Deren räumliche Verteilung liefert oft eindeutige Hinweise auf Ursache und Ort des Schadens. In einem konkreten Fall war die Badentlüftung nicht luftdicht durch die Dachkonstruktion geführt worden. Bereits wenige Monate nach Fertigstellung und Nutzung des Gebäudes zeigten sich nicht nur Schimmelpilze, sondern auch erste holzzerstörende Pilze. Ein deutliches Warnsignal für die Tragfähigkeit der Konstruktion.
Verschärfung des Problems
Ein weiterer, in der Praxis häufig anzutreffender Ablauf verschärft das Problem: Die Wärmedämmung im Dachstuhl ist bereits eingebracht, die Luftdichtigkeitsebene, die zugleich als Dampfsperre dient, jedoch noch nicht vollständig ausgeführt. In diesem Zustand wird der Estrich eingebaut. Das aus dem Estrich verdunstende Wasser gelangt mit der warmen Raumluft in die Dämmebene, trifft dort auf kalte Luftströme oder kalte Oberflächen und kondensiert. Es entsteht Tauwasser, das zwangsläufig zu Schimmelwachstum führt.
Diese Feuchteanreicherung erfolgt bevorzugt an den kältesten Stellen der Dachkonstruktion. Typischerweise ist dies die dämmseitige Unterspannbahn unter der Dacheindeckung. Nach der Öffnung einer solchen Dachkonstruktion in einem neu errichteten Einfamilienhaus zeigte sich ein eindeutiges Bild: Feuchtigkeit innerhalb der Dämmebene mit entsprechendem Schimmelbefall.
In dem geschilderten Fall musste das Dach aufgrund der Schimmelbesiedelung vollständig erneuert werden. Der Bauträger erstattete nicht nur die Kosten für die Sanierung, sondern auch die Aufwendungen für sachverständige Leistungen sowie die Rechts- und Beratungskosten. Ein Beispiel das verdeutlicht, wie hoch die Folgekosten sein können, wenn Undichtigkeiten nicht frühzeitig erkannt werden.
Klare Vorgehensweise erforderlich
Aus fachlicher Sicht ist daher eine klare Vorgehensweise erforderlich: Die Differenzdruckmessung sollte unmittelbar nach dem Einbau der Luftdichtigkeitsebenen und vor dem weiteren Ausbau erfolgen. Darüber hinaus muss sie durch gezielte Leckageortungen ergänzt werden, etwa mithilfe von Abdeckungen aus Holzbrettern oder Plattenmaterialien. Besonders kritisch sind Übergänge von Dach zu Wand, Dachgauben sowie sämtliche Durchdringungen der Gebäudehülle. Werden Undichtigkeiten in diesen Bereichen nicht erkannt, sind umfangreiche Schäden nahezu vorprogrammiert.
Was in der Bauforschung seit Jahren intensiv diskutiert wird, findet nur verzögert Eingang in die Baupraxis. Bis heute fühlt sich oft niemand ausreichend verantwortlich, das Thema Neubaufeuchte konsequent zu begleiten und bei Bedarf korrigierend in Planungs- und Bauabläufe einzugreifen. Folglich ist in vielen Neubauten mit verdeckter, zunächst nicht sichtbarer Feuchte zu rechnen, die später zu Schimmel und weiteren Bauschäden führt. Neubaufeuchte ist und bleibt eine der Hauptursachen für Schimmelbildung.
Studie zu Feuchteursachen im Neubau
Nicht nur unsere Untersuchungen an unterschiedlichsten Projekten, von Ein- und Mehrfamilienhäusern über öffentliche Gebäude bis hin zu Bürokomplexen, bestätigen dieses Bild. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen einer Masterarbeit an der Donau-Universität Krems in Österreich eine umfassende Studie erarbeitet. Sie ging der zentralen Fragestellung nach, welche Feuchteursachen im Neubau am häufigsten auftreten und als wesentliche Auslöser für Schimmel- und Bauschäden anzusehen sind. Die Ergebnisse unterstreichen eindrücklich, wie wichtig es ist, Feuchteschutz, Luftdichtheit und Bauabläufe ganzheitlich zu betrachten.
Unser Tipp
Lesen Sie hierzu
Problem Neubaufeuchte: Damit der Schimmel nicht mit Ihnen einzieht“
