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Statistische Erhebung über die tatsächliche Schimmelpilzbelastung in Gebäuden

Über 20 % sichtbare Feuchte-/Schimmelschäden, Häufigkeit verdeckter Schäden unklar

„Gerade für eine junge Familie ist Schimmel im Neubau ein Supergau“, so Alexander Hoffmann, Mitglied des Deutschen Bundestages. Der Jurist sitzt im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz und war einer der Referenten beim 6. Würzburger Schimmelpilz-Forum. Hoffmann vertritt die Meinung, dass die tatsächliche Tragweite des Themas Schimmel noch nicht beim Verbraucher angekommen ist. Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch die aktuellen Starkregen- und Hochwasserereignisse: Erst geht das Wasser, dann kommt der Schimmel.
Dieser Ansicht sind auch die Teilnehmer des Würzburger Schimmelpilz-Forums. Einmal jährlich treffen sich über 100 Bauverantwortliche, darunter Architekten, Sachverständige, Bauingenieure, Planer, Bau-, Sanierungs- und Trocknungsunternehmer sowie Juristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Schimmelpilz-Fachtagung in Würzburg. Immerhin 88 Prozent der befragten Teilnehmer* sind davon überzeugt, dass viele relevante Informationen rund um die Schimmelpilzproblematik bei Neubauten und Sanierungen nicht bis zu den Bauherren vordringen. Sie befürworten eine stärkere Sensibilisierung der Bauherren.

Dabei zeigten bereits im Jahr 2003 Studien an der Universität Jena, dass bis zu 22 Prozent der deutschen Wohnungen Feuchte-/Schimmelschäden aufweisen. Im Rahmen der Untersuchungen wurden ausschließlich sichtbare Schäden dokumentiert. Diese gingen mit einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Beschwerden wie Allergie- und Atemwegserkrankungen einher. Bezüglich zusätzlicher verdeckter und zunächst nicht sichtbarer Schäden in Dämmebenen von Dächern oder Fußbodenkonstruktionen gibt es nur Dunkelziffern und Schätzungen aber keine verlässlichen Zahlen. Trotzdem sind derartige Schäden relevant, da z. B. an der Randfuge – am Übergang von Fußboden zu Wand – Schimmelpilzbestandteile aus der Fußbodenkonstruktion in die Raumluft gelangen.

Für über 90 Prozent der befragten Experten besteht hier dringender Forschungs- und Aufklärungsbedarf. Denn Unwissenheit, mangelnde Kompetenz bei den ausführenden Unternehmen, Panikmache, Verharmlosung aber auch Verdrängung, verschärfen derzeit die Problematik. Die befragten Bauexperten sind sich einig: Gesicherte Zahlen und verifizierte Werte sind erforderlich um präventives Handeln zu fördern. Gesundheitliches Gefährdungspotenzial könnte im Vorfeld erkannt, Fehlerquellen und Kostenfallen vermieden, Qualitätsstandards etabliert werden.

Laut Dr. Gerhard Führer, ö. b. u. v. Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen und Veranstalter des Fachforums müsse geklärt werden, in wie viel Prozent der deutschen Gebäude und Wohnungen sich tatsächlich verdeckte, nicht sichtbare, aber dennoch gesundheitlich relevante und wirtschaftlich brisante Schimmelschäden befinden. Und dies getrennt nach Neubauten, Gebäuden im Bestand, öffentliche Gebäude, Kindergärten und Schulen. Denn nur mit fundierten Grundlagen und verlässlichen Zahlen sei eine konstruktive, fachliche Diskussion und eine Verbesserung der Gesamtsituation im Interesse der Bauherrn und Verbraucher möglich.

Bei Neubauten und größeren Sanierungen sprachen sich dreiviertel der Befragten für die Vergabe eines Gütesiegels aus. Kritiker bezweifeln, ob ein derartiges Siegel umsetzbar ist. Der Sachverhalt sei zu komplex um ein Prädikat dauerhaft zu vergeben. Wenn, dann könne es nur eine Momentaufnahme und keine dauerhafte Garantie sein. Eine qualifizierte Überwachung während der kompletten Bauphase inklusive eines Feuchtemanagements und eine heute im Gegensatz zu früher vernachlässigte Bauleitung sei eine bessere Alternative.

Bei Bestandsgebäuden erachten 70 Prozent der befragten Teilnehmer eine Schadstoff übergreifende Gesamtbewertung im Vorfeld einer Modernisierungs- oder Umbaumaßnahme als wichtig. Beispielsweise wird eine chemische und mikrobiologische Bestandsaufnahme vor einer Sanierung derzeit noch nicht einmal bei 10 Prozent der Sanierungen durchgeführt, so die Schätzung von dreiviertel der Experten. Nachhaltig Kosten einsparen könne man durch die interdisziplinäre Bewertung der Bausubstanz von Innenraumanalytikern zusammen mit den ausführenden Architekten und Bausachverständigen. Davon sind rund 90 Prozent der Befragten überzeugt. Fehler und damit Folgekosten für eine „Sanierung der Sanierung“ könnten so vermieden werden.

Initiator und Veranstalter des Würzburger Schimmelpilz-Forums ist das unterfränkische Sachverständigen-Institut peridomus.

Die Mitglieder des wissenschaftlichen Fachbeirats
Prof. Dr.-Ing. Ulrich Bogenstätter, Fachhochschule Mainz
Rechtsanwalt Hans-Dieter Fuchs, Anwaltskanzlei Fuchs und Kollegen, München
Prof. Dr. Christian Hanus, Leiter des Departments Bauen und Wohnen,
Donau-Universität Krems (Österreich)
Dr. Christoph Trautmann, Umweltmykologie GbR, Berlin
Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier, Architekt SRL, Nürnberg ƚ
Dr. Gerhard Führer, peridomus Institut Dr. Führer, Himmelstadt bei Würzburg/
Gerd Warda, Chefredakteur Wohnungswirtschaft heute

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Christine Scharf
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