Unsichtbare Feuchteinseln
Unterbodentrocknung: Warum trockene Luft täuschen kann
Nach einem Wasserschaden wird häufig angenommen, dass die technische Trocknung einer Fußbodenkonstruktion bei schwimmend verlegtem Estrich die gesamte Dämmschicht trocknet. Als Beleg wird angeführt, dass an den Ausström-Öffnungen trockene Luft austritt.
Diese Annahme hält einer fachlichen Überprüfung häufig nicht stand. Der Austritt trockener Luft beweist lediglich, dass Luft durch Teile der Konstruktion strömt, nicht aber, dass sämtliche Bereiche der Dämmebene gleichmäßig durchströmt und damit vollständig getrocknet wurden.
In der Praxis wird nur selten kontrolliert, ob nach Abschluss der Trocknung tatsächlich keine Feuchteinseln mehr vorhanden sind. Eine solche Erfolgskontrolle würde zeigen, dass
- keine laminare Durchströmung der gesamten Dämmebene stattfindet. Vielmehr verteilt sich die Luft ungleichmäßig innerhalb der Konstruktion.
- die Trockenluft bevorzugt den Weg des geringsten Strömungswiderstands nimmt. Sie breitet sich beispielsweise entlang von Installationsleitungen, Kabeln, Rohrdurchführungen oder Materialstößen aus.
- zwischen diesen bevorzugten Luftwegen sogenannte Feuchteinseln zurückbleiben können, die von der Trockenluft kaum oder nicht erreicht werden.
Obwohl an den Ausström-Öffnungen trockene Luft gemessen wird, können sich in weiten Bereichen der Unterbodenkonstruktion noch Feuchteinseln befinden. Diese Bereiche schaffen ideale Bedingungen für mikrobielles Wachstum und können die Entstehung von Schimmelpilzen begünstigen. Der Erfolg einer Unterbodentrocknung sollte deshalb nicht allein anhand der austretenden Luft beurteilt werden. Erst eine gezielte Feuchtekontrolle innerhalb der Konstruktion liefert belastbare Aussagen darüber, ob der Unterboden tatsächlich vollständig getrocknet ist.
Hinweis: Als laminare Durchströmung bezeichnet man eine geordnete, schichtweise Strömung eines Gases oder einer Flüssigkeit ohne Verwirbelungen.
